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Ein Himmel, der uns nicht ansieht

Al-Faschir wird ausgelöscht – im Stillen, während Europas Tresore glänzen

Von Mohamed Badawi


„Das Schlimmste ist nicht die Ungerechtigkeit der Bösen, sondern das Schweigen der Guten.“ – Martin Luther King Jr.

Ich war nicht dort. Ich war nicht in jener Nacht, in der die Häuser brannten wie Seiten eines nie gelesenen Buches. Ich war nicht bei den Leichen auf den Straßen unter der sengenden Sonne, nicht bei den Müttern, deren Schöße durch Granatsplitter zerrissen wurden – gebärend in der Dunkelheit, ohne Hebamme, ohne Wasser, ohne Ohr, das den Schrei hört. Und doch trage ich den Geruch von Al-Faschir in meiner Brust, ihren Schmerz in meinem Atem. Die Stadt lebt in mir – in jedem Blick, jedem Buchstaben, jedem Beben der Trauer, als wäre ich dort gewesen, als das Grauen begann.

Al-Faschir wird täglich bombardiert, ausgelöscht – ohne Vorankündigung, ohne Resolution, ohne Träne auf dem Bildschirm. Die Stadt wird Stück für Stück entvölkert – im Stillen, ohne humanitäre Hilfe, ohne internationalen Aufschrei. Nichts als Tod – der Einzige, der nie fehlt.

Die bittere Ironie: Dieses Land, das vor Hunger stirbt, sitzt auf Goldminen, auf Uranvorkommen, auf einem Reichtum, der ausreichen würde, einen ganzen Kontinent zu ernähren. Und doch stirbt jede Stunde eine Frau auf der Suche nach Brot für ihre Kinder. Ein Kind flüstert seiner toten Mutter zu: „Ist der Krieg vorbei?“

Wenn Al-Faschir schreit, verschließt die Welt ihre Ohren. Sie wendet sich ab, als sei dieser Tod ein internes Problem. Die Welt sieht besser denn je – und wählt dennoch die Blindheit. In Sudan sterben wir nicht nur durch Hunger oder Bomben, sondern auch durch Verrat, durch Gleichgültigkeit, durch das Schweigen.

Im Westen Sudans formiert sich eine parallele Regierung – ihre Kompetenzen sind unklar, ihre Legitimation zweifelhaft. Sie herrscht mit dem Gewehrlauf. Währenddessen ringen die Eliten der Hauptstadt um die Wahl des „richtigen Generals“ für das „passende Ministerium“ – als ginge es um ein Schachspiel in einem Café, ohne Verbindung zum Schlachtfeld.

Ist es denkbar, dass Schweizer Banken mit sudanesischem Gold gefüllt sind, mit Milliarden, die den Hungrigen genommen wurden, während in jedem Dorf des Landes täglich hundertfach gestorben wird? Wie kann eine ganze Stadt täglich bombardiert werden – im Schweigen? Wie entstehen Wolkenkratzer aus den Knochen derer, die nicht mal ein Grab finden?

Letztes Jahr war ich in Zürich, stand auf einem kleinen Platz inmitten einer stillen Demonstration gegen den Krieg in Sudan. Ich hielt ein Schild: „Stoppt den Völkermord in Darfur.“ Dort sprach ich mit einem Schweizer Parlamentarier – höflich, interessiert, aber zögerlich. Ich sagte ihm: „Ihre Regierung weiß es. Das gestohlene sudanesische Vermögen wird hier gewaschen, hier verwahrt und neu investiert – ohne Fragen.“

Er sagte mit gedämpfter Stimme: „Wir wissen es… aber im Moment sind uns die Hände gebunden.“

Ein Satz, der mir wie ein kaltes Messer in den Rücken fuhr.

Ich glaube nicht mehr daran, dass Bilder reichen. Oder dass Tränen das Gewissen reinigen. Oder dass Pressemitteilungen eine Rakete umlenken. Aber ich schreibe. Weil ich keine andere Waffe habe. Ich schreibe für die, die ohne Namen begraben werden. Für die, deren Erinnerung stirbt, bevor sie selbst begraben sind.

Denn selbst wenn ein Wort keine Kugel aufhält – es entlarvt die Hand, die sie abschoss.

Al-Faschir ist nicht nur eine ausgelöschte Stadt – sie ist der Spiegel einer Welt, die nur sieht, was sie sehen will. Und nur hört, was ihr in den Plan passt.

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